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30. 09. 2016

Heiß diskutiert: Tomaten-Gräber verbieten?

Der Zankapfel ist eine Tomatenpflanze – fotografiert auf einem Grab auf dem Alten Friedhof im oberbayerischen Neuburg an der Donau. Foto: dpa/Andreas Gebert

Gemüse als Zankapfel: Weil eine 23-Jährige in Neuburg an der Donau auf dem Grab ihrer Großeltern Tomaten – als Andenken – gepflanzt hat, diskutieren Medien und Friedhofsverantwortliche derzeit, ob Gemüse auf einen Friedhof gehört. Dabei ist die Bepflanzung gar nicht so ungewöhnlich und weit in der Geschichte verwurzelt.

Medien berichten bundesweit über Tomaten auf Neuburger Grab

Die Augsburger Allgemeine berichtete Anfang September erstmals über die Tomatenpflanzen auf dem Friedhof. Wenige Tage später brachte die Deutsche Presseagentur eine Meldung heraus, bundesweit berichteten Zeitungen über die Neuburger Tomaten-Diskussion.

Erst durch den Bericht der Augsburger Allgemeinen habe Friedhofsreferentin und Stadträtin Elfriede Müller (CSU) von den Gemüsepflanzen auf einem Grab erfahren. Sie will nun die Grabbepflanzung allgemein regeln.

Bislang kein Verbot für Gemüseanbau auf städtischen Friedhöfen

Untersagen will Müller den Gemüseanbau auf städtischen Friedhöfen nach bisherigem Stand allerdings nicht. Einen Antrag dazu habe sie nicht gestellt und werde es auch auf absehbare Zeit nicht tun, wie die Stadtverwaltung Neuburg an der Donau auf Nachfrage der Friedhofskultur mitteilte.

„Ich kann nachvollziehen, dass darüber diskutiert wird – weil es ungewöhnlich ist. Ob man sich darüber aufregen muss, ist sicherlich eine andere Frage“, sagte Jörg Freimuth, Geschäftsführer des Bayerischen Gärtnereiverbandes, dem Donaukurier.

„Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Straßenverkehrsordnung: Man muss sich so verhalten, dass auch der Nachbar damit klarkommt“, so Freimuth. Positiv sieht er, dass es sich bei dem umstrittenen Grab um eine individuelle Grabbepflanzung handelt, da die Tomatenpflanze für die Enkelin in Neuburg mit Erinnerungen an den verstorbenen Opa verbunden ist. „Damit hilft das Grab in der Trauer und stellt eine liebevolle Erinnerung dar.“

Gemüsepflanzen auf dem Grab kein neuer Trend

Die aufsehenerregende Grabgestaltung sei kein neuer Trend, denn: „Ab 1650 war es absolut üblich, dass auf dem Kirchhof – wo die Menschen bestattet wurden – Obst und Gemüse angepflanzt wurden. Diese Fläche rund um die Kirche diente ja meist auch zum Unterhalt des Pfarrhauses.“

Freimuth selbst habe schon mal ein Grab mit Küchenkräutern gesehen. Er hatte nicht den Eindruck, dass es Probleme machte. „Es wurde sogar regelmäßig geerntet.“ (rh/md)

Die komplette Diskussion lesen Sie in der Friedhofskultur 10/2016, die am 4. Oktober erscheint.

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