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05. 01. 2010

Ewige Ruhe in neuer Heimat

In 20 Jahren, so sagt Mesut Palanci, werde sich etwa die Hälfte der Verstorbenen muslimischen Glaubens, die in Deutschland lebten, hierzulande beisetzen lassen. Derzeit ist es nur eine verschwindend kleine Minderheit. Vor allem bei den Türken wählt die heutige Seniorengeneration zum weitaus größten Teil nach wie vor ihre letzte Ruhestätte im Land ihrer Väter. Dies hat neben religiösen aber auch handfeste finanzielle Gründe.

Mesut Palanci ist Vorsitzender des Dachverbandes islamischer Vereine in Karlsruhe und Umgebung. Bei einer Friedhofstagung der Gartenakademie Baden-Württemberg am Buß- und Bettag referierte er über "Ewige Ruhe in der neuen Heimat? - Muslimische Bestattungskultur". Für Türken sei es heute wesentlich billiger, ihre Verstorbenen ins Heimatland überführen zu lassen, als hier in Deutschland beisetzen zu lassen. Dies gelte auch dann, wenn - wie üblich - eine Person den oder die Verstorbene während des Transports begleitet. In Deutschland gibt es bisher keinen muslimischer Friedhof, doch finden sich auf etwa 120 Friedhöfen muslimische Gräberfelder. Im Hamburger Friedhof Ohlsdorf besteht ein "iranisch-islamischer Friedhof" mit zwei Gräberfeldern. Die Beisetzung ohne Sarg ist dort möglich, der Leichnam wird aus dem Transportsarg entnommen. Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur, begrüßte die Aussagen Palancis. In seinem Vortrag zum Thema "Der Friedhof als Raum vielfältiger Bestattungskulturen" erwähnte er, dass heute vier Millionen Bürger muslimischen Glaubens in Deutschland leben.

Mäsings Appell: "Die Anforderungen der Muslime können unsere Friedhöfe doch erfüllen!" Man müsse bereit sein, gewisse Unterschiede zu akzeptieren. Sich aus gesellschaftlicher Veränderung ergebende Trends sollten in bestehende Strukturen eingebunden werden: "Schaffen wir Räume für Verständigung und Austausch über Kulturgrenzen hinweg!"

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