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01. 06. 2013

Pflanzenschutzrückstände in Weihnachtsbäumen: Kontrollen gaben Anlass zur Sorge

Ein gesetzeskonformer Pflanzenschutz erfordert nicht nur passende Maschinen, für die immer großes Interesse besteht, sondern auch profunde Fachkenntnisse. Foto: L. Jennerich

Wie angekündigt (siehe TASPO 43/2012, Seite 14) ließen im Herbst letzten Jahres deutsche und dänische Weihnachtsbaumproduzenten aus ihren eigenen Kulturen und Händler auch von Kulturen ihrer Lieferanten in Deutschland und Dänemark Tannenzweig-Proben nehmen und von dem Hamburger Labor für chemisch-biologische Analytik Eurofins auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersuchen. 

Anlass waren Meldungen über gefundene „Gifte im Weihnachtsbaum“ schon in der Saison 2011. Die auf der Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger (BWS) im Februar dieses Jahres vorgestellten Ergebnisse waren dann alles andere als beruhigend.

152 Proben wurden insgesamt analysiert. Dabei wurden in 101 Proben verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen, die jedoch zugelassen sind. In acht der Proben wurden allerdings vier Wirkstoffe nachgewiesen, die weder in Dänemark noch in Deutschland zugelassen sind, einer davon giftig. Sechsmal wurde in deutschen Proben das zwar in Dänemark, nicht aber in Deutschland zugelassene Promoxon gefunden.

14 Beanstandungen bei insgesamt 152 Beprobungen mögen nicht viel sein, aber jeder einzelne Verstoß gegen die geltenden Pflanzenschutzmittelgesetze untergräbt die Bemühungen der Branche, ein einwandfreies Produkt im Rahmen des Zugelassenen zu produzieren.

An weiteren Beprobungen geht künftig wohl kein Weg vorbei, denn die abnehmenden Handelsketten, allen voran Rewe, fordern diese Nachweise zunehmend. Ebenso legen Liegenschaftsverwaltungen und andere Standvermieter Wert auf „saubere Bäume“, insofern scheint es höchste Zeit, das Thema offensiv aufzugreifen.

Erste Reaktionen in diese Richtung gab es bereits kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse. So listeten die Weihnachtsbaum-Händler diejenigen Zulieferer aus, in deren Proben unerlaubte Mittel nachgewiesen worden waren. Eine wichtige, wenn auch schwierige Aufgabe des BWS und der Landesverbände muss es sein, als Sprachrohr zu fungieren und alle, auch die nicht verbandlich organisierten Betriebe zu erreichen und entsprechend zu sensibilisieren.

Gleichzeitig will der Bundesverbandsvorsitzende Bernd Oelkers künftig die Einzelfälle innerhalb des Verbandes aufdecken. Es könne nicht sein, dass einige wenige, ganz gleich wie groß sie seien, die ganze Branche in Verruf bringen.

Für Markus Schauer ist es höchste Zeit, aktiv zu werden. Er habe flächendeckend bei seinen Lieferanten Proben genommen oder nehmen lassen, damit jeder Anbauer ein Gefühl dafür bekommt, welche Brisanz in der Thematik steckt. Früher oder später würden die Handelsketten sonst eigene Richtlinien für akzeptierte Rückstandsmengen festlegen, die dann auch leicht unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen könnten.

Bei einem zehnjährigen Produktionszyklus, wie er nun einmal für Weihnachtsbäume vorliegt, könne der Anbauer dann nicht so schnell reagieren. Sein Unternehmen prüfe auf jeden Fall schon länger die Zukäufe auf Rückstände. Das gehöre dazu wie die Überprüfung von Baum-Größe und -Qualität.

Kein wirkliches Problem sieht Bernd Oelkers in der Tatsache, dass Promoxon (zur Triebverkürzung) in Dänemark zugelassen ist, in Deutschland aber nicht, denn die mit Promoxon behandelten dänischen Bäume dürfen hier gehandelt werden. Fast genauso gut wirke das – hier zugelassene – Camposan Extra. Er akzeptiere lieber mit gutem Gewissen etwas längere Triebe, also sich über Vorschriften hinwegzusetzen. (jen)

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