Friedhofskultur

Als sich am 8. und 9. Dezember 1903 einige Friedhofsverwalter in Leipzig zum „Verband der Friedhofsbeamten Deutschlands e. V.“ zusammenschließen, ist dies auch der offizielle Gründungstermin des heutigen Verbandes, der die Interessen von Friedhofsverwaltern vertritt. Heute heißt dieser Zusammenschluss Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands, kurz VFD.

Vor der Jahrtausendwende um 1900 sah die Friedhofswelt anders aus als wir sie heute kennen: meist betreiben Gärtner die kirchlichen Friedhöfe und pflegen Gräber und Grünanlagen – dafür zahlen sie eine Pacht. Doch Friedhöfe in kommunaler Trägerschaft nehmen immer mehr zu. Und so werden auch bei größeren kirchlichen Friedhöfen nach 1900 neue Bewirtschaftungsformen eingeführt.

Aus vorher Selbstständigen werden Angestellte oder Beamte. Die Konflikte waren da: vor allem geht es um die Durchsetzung finanzieller und sozialer Ziele für den Berufsstand, wie etwa Pension, Urlaub oder Wtwenversorgung.

Eine eigene Zeitschrift für den Verband der Friedhofsverwalter

Fünf Jahre nach der Verbandsgründung erscheint eine eigene Zeitschrift, die den Friedhofsverwalter-Verband seit mehr als hundert Jahren - bis heute begleitet. Nur ihr Titel hat sich über die Jahre etwas verändert: Der Friedhof,  Deutsche Friedhofskultur,  Friedhofskultur (www.friedhofskultur.de).  Vorläufer war die Zeitschrift Der  Friedhofsbote. Sie erschien bereits ab April 1903 in Leipzig, herausgegeben von Ferdinand Sielisch. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten kam es zu einer Kündigung der Zeitschrift als Organ des Verbandes der Friedhofsbeamten Deutschlands zum 31. Dezember 1904. Der damalige  Verband der Friedhofsbeamten Deutschlands entschied sich dazu eine eigene Zeitschrift herauszugeben.

1905 (Jg. 1) erscheint die erste Ausgabe: Der Friedhof, herausgegeben. Verantwortlicher Redakteur ist der Friedhofs-Inspektor Oskar Kasmale aus Berlin. Die neue Zeitschrift kommt  alle zwei Wochen heraus.

Mit den Jahren verändert sich zwar das Erscheinungsbild der Zeitschrift: ab 1912  erhält sie eine Titelgraphik, zuletzt überarbeitet wurde das Layout der heutigen Zeitschrift Friedhofskultur im Herbst 2012. Doch die Inhalte bleiben ähnlich. Die tägliche Arbeit der Friedhofsverwalter zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnelt in vielen Fragen dem heutigen Berufsalltag: so nehmen Fragen zum Friedhofs- und Bestattungsrecht viel Raum in der Zeitschrift ein. Auch mit dem Diebstahl von Pflanzen und Blumen auf Friedhöfen oder Vandalismus mussten sich Friedhofsverwalter vor hundert Jahren bereits herumschlagen und zwischen verärgerten Hinterbliebenen vermitteln.

Im Jahr 1912 wurde die Gartenbau-Berufsgenossenschaft (BG) gegründet. Auch sie besteht noch heute unter dem Namen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Die Verbandszeitschrift Der Friedhof führte ab dem 15. Januar 1914 den Untertitel Offizielles Publikationsorgan der Gärtnereiberufsgenossenschaft und spiegelte damit die enge Zusammenarbeit zwischen den Friedhofsverwaltern und der BG wieder.

Die Zeitschrift während Weltwirtschaftskrise und Weltkriegen

Der Friedhofs-Verwaltungsdirektor Weidenreich aus  Berlin-Weißensee  übernimmt ab 15. Oktober 1914 die Schriftleitung. Denn der bisher verantwortliche Redakteur Oskar Kasmale sowie viele andere Vorstandsmitglieder haben sich als Kriegsfreiwillige im Ersten Weltkrieg gemeldet.

Die Ausgaben erscheinen ab 1919 jetzt als Doppelnummern jeden zweiten Monat. Im Mai erscheint unter Schriftleitung vorerst wieder Friedhofs-Inspektor Oskar Kasmale. Die Zeitschrift trägt jetzt den Untertitel: Amtliches Bekanntmachungsblatt der Gartenbau-Berufsgenossenschaft. Da der BG-Vorsitzende Weidenreich am
1. April aus Gesundheitsgründen den Vorsitz niedergelegt hat, wird Kasmale Vorsitzender des Verbandes und Kirstein zum Schriftleiter des Verbandsblattes ernannt.

Einige Themen, über die die Verbandszeitschrift in den 1920er Jahren berichtet sind auch heutigen Lesern vertraut: gestohlener Grabschmuck, Einsatz von neuen Geräten und Bestattungstechnik oder Fragen des Steuerrechtes, insbesondere des Umsatzsteuerrechtes sowie Fragen der gewerblichen Tätigkeit auf Friedhöfen. Letzteres ist auch heute wieder aktuell.

Mit  der Januar-Ausgabe 1925 verändert die Zeitschrift ihr Format und Layout. Das Format liegt jetzt etwas über DIN A4 (vorher etwas größer als DIN A5). Der Titel der Verbandszeitschrift lautet nun: Der Friedhof, herausgegeben vom Verbande der Friedhofsbeamten Deutschlands, Untertitel: Bekanntmachungsblatt der Gartenbau- und Friedhof-Berufsgenossenschaft. Diesen Untertitel wird sie noch bis 1933 tragen. Die Schriftleitung übernimmt Dr. Werner Lindner, Hermannsburg (Lindner wird später ab 1951 Leiter der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal).

1934 ändert der Verband ab der Juli-Ausgabe seiner Zeitschrift seinen Namen in „Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands e. V.“ Diese Zurückführung auf eine fachliche Vereinigung soll verhindern, dass die inzwischen an die Macht gekommenen Nationalsozialisten den Verband gezwungenermaßen in einen anderen nationalsozialistischen Verband oder Bund integrieren.

Ab April 1940 ist der Reichsarbeitsausschuss für Friedhof und Denkmal neuer Herausgeber der Verbandszeitschrift. 1943 erscheint der vorerst letzte Jahrgang. Die elementaren Lebensbedürfnisse hatten Vorrang vor allem anderen. So wurden unter anderem auf nicht belegten Friedhofsflächen etwa Gemüse und Kartoffeln angebaut.

Neubeginn der Fachzeitschrift

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949, können die Mitglieder des VFD wieder ihre Verbandszeitschrift lesen. Ein Neubeginn mit neuem Titel erfolgt 1952. Die Zeitschrift heißt nun: Deutsche Friedhofskultur. Herausgeber ist der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands. Die Schriftleitung hat Eduard Wolter, Solingen-Ohligs. Die Zeitschrift erscheint im Verlag Deutsche Gärtnerbörse ( Aachen) monatlich, zum Teil auch zweimonatlich als Doppelnummern. Ab der April-Ausgabe 1952 erscheint noch der Untertitel: Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen. Diesen Untertitel führt die Friedhofskultur  noch heute.

Ab der Juni-Ausgabe 1959 erscheint die Deutsche Friedhofskultur  mit einer neugestalteten Titelseite, ebenso ab November 1970. Am 5. April 1984 stirbt Eduard Wolter, langjähriger Schriftleiter und Verbandsvorsitzender. Mit der Mai-Ausgabe übernehmen Manfred Georgi, Christian W. Koehler und Hildegard Ramacher die Redaktion, ab der Dezember-Ausgabe an ihrer Stelle Ute Koehler.

Mit der August-Ausgabe 1987 übernimmt Christian W. Koehler die presserechtliche Verantwortung, ab der Juli-Ausgabe 1989 ist Andreas von der Beeck (Düsseldorf) ständiger Mitarbeiter der Redaktion. Mit der Januar-Ausgabe 1990 bekommt die Zeitschrift ein neues Titel-Layout und auch einen neuen Schriftzug: Deutsche Friedhofskultur, Einzige Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen (Verlag Dr. Rudolf Georgi GmbH, Aachen).

Ab der April-Ausgabe 1990 übernehmen Andreas von der Beeck und Josef Brauers (verantwortlich und CvD) von Aachen aus die Redaktion (Verlag Dr. Rudolf Georgi).

In den folgenden Jahren gibt es nur kleine Veränderungen. So ist ab der Januar-Ausgabe 1992 Andreas von der Beeck verantwortlicher Redakteur; ab der Oktober-Ausgabe 1995 ist kein Redaktionsbeirat mehr aufgeführt, stattdessen
ist nun ein Referent für Öffentlichkeitsarbeit angegeben (Dr. Karl-Heinz Peter Voß, Postdam).

Die Zeitschrift  erscheint ab März 1997 nun im Verlag NGM (Neue Gartenbaumedien GmbH, Aachen). Von Juli 1997 bis  Mai 2003 ist die Redaktion in Braunschweig, als Leiter der Gartenbau-Redaktionen NGM/Thalacker Medien zeichnet Matthias Donners verantwortlich. Mit der September-Ausgabe 1997 erfolgt ein Relaunch der Zeitschrift. Sie bekommt ein komplett neues Layout und einen neuen Titel: Friedhofskultur, Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen. Diesen Titel trägt die Zeitschrift unverändert bis heute.

Seit der Januar-Ausgabe 2002 erscheint  die Zeitschrift mit geringfügig geänderter Titelseite im Verlag Thalacker Medien (Bernhard  Thalacker Verlag GmbH, Braunschweig). Verantwortlich von  Mai 2003 bis Mai 2010 ist Evelin Scheibe, danach ist Liebgard Jennerich von Juni 2010 bis Juli 2012 Redakteurin der Friedhofskultur.


Die Friedhofskultur heute

Der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands ist auch im 21. Jahrhundert noch Herausgeber der Fachzeitschrift Friedhofskultur. Die Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen in Deutschland erscheint monatlich (www.friedhofskultur.de) im Verlag Haymarket Media GmbH (Braunschweig). Verantwortlicher Redakteur seit  2012 ist Roman Höfers.

Friedhofskultur - Jubiläumsausgabe

Aufgeblättert: 100 Jahre VFD

Entwicklungen in der Friedhofstechnik